Mit einem Kind alle Termine unter einen Hut zu bekommen ist nicht immer leicht. Kommt dann noch ein Studium dazu, scheint die Situation ausweglos – von wegen! Die Bloggerinnen Nina und Jenny erzählen uns von ihren Erfahrungen als studierende Mamis – und die sind alles andere als negativ.

Ninas Mädels spielen im Uni Seminar

Studium mit Kind ist keine leichte Angelegenheit – jedoch auch keine unmögliche. Denn in vielen Studiengängen sind Kurse variabel belegbar und auch die Mitmenschen an der Universität meist zuvorkommend und mitfühlend. Nina und Jenny sind Mütter mit Kind, die sich nun dazu entschlossen haben, noch zu studieren. Ihre Erfahrungen wollen sie hier mit euch teilen.

Organisationstalente

Organisation scheint das A und O zu sein, wenn man versucht, Kind und Studium miteinander zu vereinbaren. Medizinstudentin Nina, die auf ihrem Blog Gedankenpotpourri ihren Alltag in lustigen und interessanten Geschichten festhält, hat zwei Töchter im Alter von sechs und acht. Wenn sie vormittags in der Uni ist, läuft alles problemlos, denn dann sind die beiden in der Schule, „allerdings ist, in der Regel, schon um 11:35 Uhr Schulschluss. Beide sind dann gegen zwölf, mit leerem Magen (!) zuhause. Da ich etwa 30km bis zur Uni pendle, ist dann meistens mein Papa kurz hier, um den beiden die Tür zu öffnen. Ich komme dann um kurz nach 12:00.

Wenn ich nachmittags Vorlesungen habe, passt entweder mein Papa, meine Mama oder meine Freundin auf die Mädels auf. Mit meiner Freundin teile ich mir die Betreuung unserer Kinder. Denn auch sie ist eine berufstätige Mama. Oft habe ich einmal pro Woche auch am Abend Uni. Dann ist meistens mein Mann hier, um die „Abendschicht“ des Familienlebens zu übernehmen.“

Trotz Organisation bleibt die Integration vom Studium in den Alltag für Nina eine große Herausforderung: „Insbesondere in Prüfungszeiten. Wenn ich keine Vorlesungen habe, lerne ich natürlich am liebsten morgens, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Da die Beiden aber früh zuhause sind, bleibt mir manchmal gar nichts anderes übrig, als auch am Nachmittag, umgeben von 2-4 Kindern, zu lernen. Ja, das kann sehr schwer sein. Meistens gehe ich dann abends, wenn mein Mann nach Hause kommt, noch an den Schreibtisch. Und natürlich am Wochenende.

Auf der anderen Seite darf man aber auch nicht vergessen, dass ich nach den „zähen“ Zeiten, dann wieder Semesterferien habe.“

Auch Sozialpädagogikstudentin Jenny, deren achtjähriger Sohn Atypischer Autist ist und damit noch mehr Termine wahrnehmen muss, sieht den Lösungsweg eindeutig in einer Sache: „Organisation. Ich habe einen Terminkalender indem ich alle Termine reinschreibe und auch alle Vorlesungen und Seminare festhalte. Ohne den würde ich wahrscheinlich ziemlich schnell den Überblick verlieren.“

Auf ihrem Blog Kind und Studium könnt ihr noch mehr über Jenny und ihr Leben erfahren.

Mit Kind in der Uni – geht das?

Klar geht das. Nur was hat man zu erwarten, wenn man mit seinem Kind in der Uni auftaucht? Verdrehte Augen, genervte Blicke, Verständnislosigkeit oder doch Mitgefühl? Viele Szenarien sind denkbar, und doch kommt es dann wohl anders, als man es erwartet. Nina erzählt uns über die Reaktionen von Kommilitonen und Dozenten: „Besser könnte ich es mir nicht wünschen! Alle freuen sich, wenn ich die Mädels mal dabeihabe. Sei es in Vorlesungen oder auch mal am Abend, bei irgendeinem netten Zusammensitzen. Nun sind die Zwei ja auch schon recht groß. Mit ein wenig Malzeug im Rucksack, stören wir dann auch wenig. Und wenn es doch mal zu unruhig wird, gehen wir eben früher.

Rein organisatorisch gesehen, kam die Uni mir auch schon oft entgegen. Zum Beispiel, was die Arbeitszeiten in meinem allgemeinmedizinischen Blockpraktikum anging, welches ich in Teilzeit, statt in Vollzeit, absolvieren konnte.“

Vorwiegend Positives hat auch Jenny zu berichten: „Meine Kommilitonen nehmen das ganz gelassen und bewundern mich eher. Da kann ich mich glücklich schätzen, denn das ist nicht immer üblich. Es gibt durchaus auch an meiner Uni Studenten, die die Augen verdrehen und meinen, mit einem Kind sei das der Weltuntergang. Meine Professoren sind sehr cool sowie auch die Dozenten. 2 mal war mein Sohn bereits mit in einem Seminar, weil es nicht anders ging und es hat echt gut geklappt.“

Jennys Sohn bei den Hausaufgaben

Hausaufgaben und Uni-Stoff – parallel lernt es sich leichter.

Zudem sind die beiden nicht die einzigen Mütter an ihren Unis, wie sie uns berichten. So sind die meisten Universitäten auch bereits auf Studierende mit Kind eingerichtet und können dementsprechend agieren. Uni und Kind ist also möglich – nicht allein, weil sich oft Kurse schieben oder die Seminare nach den eigenen Bedürfnissen legen lassen, sondern auch, weil viele dem Thema offen gegenüberstehen und es universitäre Förderungen gibt.

Keine einfache Entscheidung

Ninas Mädels in der Uni

Die Uni ist auch für die Kleinen interessant.

Wie uns die beiden Bloggerinnen bestätigen, ist es natürlich möglich – aber auch stressig – Kind und Studium unter einen Hut zu bringen. Nicht zuletzt, weil zum einen auch der finanzielle Faktor eine Rolle spielt. Die Entscheidung dafür dürfte beiden also nicht einfach gefallen sein. Wieso sie es trotzdem gemacht haben?  „Hm, sagen wir mal so, der Hauptgrund war definitiv, dass ich in meinem alten Job einfach unzufrieden war“, erzählt Nina. „Dann entschied ich mich, eine Ausbildung zur Heilpraktikerin zu machen. Und da fing ich Feuer für die Medizin. Erst zu diesem Zeitpunkt kamen die ersten Gedanken, wie es wäre, nochmal zu studieren. Wir haben hin und her überlegt. Nein, die Entscheidung war nicht einfach. Aber als sie gefallen war, fühlte es sich wie eine Befreiung an.“

Für Jenny war ihr Kind sogar Beweggrund, die Uni-Bank zu drücken: „Ich wollte nach dem Abitur niemals studieren und habe zweimal an der Vereinbarkeit von Kind und Ausbildung scheitern müssen, um zu sehen, dass anscheinend ein Studium besser vereinbar ist.  Und in der Tat ist es das. Ich bin jetzt im 5. Semester und studiere immer noch. Die Ausbildungen musste ich jeweils nach 6 Monaten abbrechen. Mit dem Studium werde ich zwar länger brauchen als andere, aber ich sehe schon, dass ich es schaffen werde. Und ich blicke positiv in die Richtung, in 2 Jahren meinen Bachelor in den Händen zu halten.“

Ihr seht also, dass die Kombination aus Kind und Studium zu meistern ist. Und nicht nur das, „als Mama zu studieren, hat definitiv seine Vorteile. Im Grunde ist man Selbstständig. Mit all den Vor- und Nachteilen, die eine Selbstständigkeit mit sich bringt. SELBST und STÄNDIG eben. Ich bin keinem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet. Wenn ein Kind morgens krank ist, muss ich nirgendwo mit einem schlechten Gewissen anrufen. Das befreit ganz ungemein“, schwärmt Nina.

Und zum Schluss ein kleines Plädoyer an das Studieren mit Kind:

„Bisher kann ich aus vollem Herzen sagen – es war die zweitbeste Entscheidung meines Lebens. Die beste war, Mama zu werden.“ – Nina

 

Vielen lieben Dank an Nina und Jenny für die wunderbaren Interviews!

 

Bilder: Bild1+2: ©gedankenpotpourri.wordpress.com, Bild3: © kindundstudium.wordpress.com, Bild 4: © gedankenpotpourri.wordpress.com.