In Familien kommt oft einiges zusammen: Beruflicher Stress der Eltern trifft auf schulische Sorgen und pubertäre Findungsschwierigkeiten. In manchen Familien kommen noch ernste, psychische Erkrankungen dazu. Dann ist Hilfe von außen wichtig. Eine Möglichkeit kann die Hypnose sein, die vor allem auch an das Unterbewusstsein herankommen kann. Wir haben mit zwei Experten über die Behandlung gesprochen.
Hypnose Therapie Familie

Das innere Ich: Eine Reise ins Unterbewusstsein

Mit nüchternem Blick erscheint das Problem gar nicht so groß: Man müsste sich nur einfach überwinden. Doch unser Handeln wird nicht nur durch unseren Verstand bestimmt. Eine wesentliche Rolle spielt auch das Unterbewusstsein. Hypnotiseurin Ingrid Gündel von leicht-frei-gut schätzt, dass rund 90% unseres Handelns durch das Unterbewusstsein bestimmt werden. „Im Unterbewusstsein sind auch alle Erfahrungen, Verhaltensweisen, Gewohnheiten als selbständig ablaufende Programme gespeichert. Deshalb sind Veränderungen allein auf Verstandesebene nur begrenzt oder schwer möglich. Wesentlich leichter wird es, wenn das Bewusstsein und das Unterbewusstsein zusammenarbeiten. Mittels Hypnose wird ein veränderter Bewusstseinszustand erreicht, der eine direkte Kommunikation mit dem Unterbewusstsein ermöglicht“ so die Expertin.

Während der Hypnose kann dann das Unterbewusstsein mittels Sätzen, Formulierungen oder gar komplexen Bildern angesprochen werden – sie wirken laut Gündel als Suggestionen, die Veränderungsprozesse bewirken sollen. So soll etwa beim Abnehmen, der Raucherentwöhnung oder bei Schlafschwierigkeiten geholfen werden.

Alles nur Placebo?

Die Vorstellung, ins eigene Unterbewusstsein eindringen zu können, fällt nicht jedem leicht. Manch einer tut Hypnose deshalb als Placebo ab. Ingrid Gündel ist sich nicht nur aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung mit zahlreichen Klienten sicher, dass Hypnose wirklich wirkt. Sie beruft sich auch auf wissenschaftliche Forschung – etwa die der Universität Tübingen: hier einsehbar.

Auch Ilka Wagner-Lundström weist auf die wissenschaftliche Erforschung der Hypnose hin: Die Wirkung lasse sich im Vergleich zu Kontrollgruppen zeigen und Hypnose sei auch weiterhin Forschungsgegenstand. Außerdem gibt uns die Expertin der Praxis Team Wagner noch ein praktisches Beispiel mit auf den Weg: Als Autofahrer kennt man den Moment, wenn man sich fragt, wo die letzten Kilometer in der Erinnerung geblieben sind. Nicht immer nimmt unser Gedächtnis also alles bewusst wahr. Auch auf Fiktion – etwa bei einem traurigen Film – reagiert unser Unterbewusstsein, obwohl wir eigentlich wissen, dass das Ganze nur gespielt ist.

Wann hilft Hypnose und wann nicht?

Beide Expertinnen sind sich einig, dass nicht jede psychische Erkrankung mit Hypnose behandelt werden sollte: etwa bei Psychosen wie Schizophrenie. Auch Vorerkrankungen wie Herzerkrankungen oder Thrombose sollten laut Ingrid Gündel vorher abgeklärt werden.

Beide Expertinnen nennen einige Anwendungsbeispiele, die vor allem auch für Familien sehr interessant sein können. Ingrid Gündel bietet ihre Behandlung etwa zur Gewichtsreduktion oder Schlafverbesserung an, aber auch gezielt für Schüler und Studenten: Superlearning soll beim Lernen unterstützen und Wissen besser abrufbar machen. Beim Team Wagner wird Hypnose etwa zur Stress-Prävention eingesetzt oder soll Motivation in Beruf und Familie steigern. Sie kann aber natürlich auch bei Ängsten und Phobien angewandt werden.

Generell sollten psychische Erkrankungen in Familien nicht verkannt werden: Es wird geschätzt, dass etwa drei Millionen Kinder in Deutschland mit einem psychisch erkrankten Elternteil aufwachsen (Quelle). Vor allem auch Angststörungen sind dabei weit verbreitet und belasten das soziale Leben der Familie. Andersherum dürfen natürlich auch die Ängste von Kindern nicht unterschätzt werden. Einen sehr ausführlichen Artikel haben wir dazu auf der Seite der Praxis Mück gefunden: wichtig sei es, dass Kinder nicht angstfrei aufwüchsen, sondern und unbedingt lernten, wie man mit diesem Gefühl umgehen kann. Die Experten geben auf der Seite wertvolle Tipps, wie Eltern ihren Kindern Ängste nehmen können.

 

Die Kraft der Gedanken erleben

„Jeder, der jetzt Lust hat, kann in der folgenden kleinen Übung für sich erleben, wie ein Gedanke oder die Kraft eines Wortes in uns wirkt:

  1. Nehmt euch hierfür ein wenig Zeit, schließt einfach einmal eure Augen.
  2. Wiederholt mehrmals in euren Gedanken ein positives Wort, wie z.B. Liebe, Spaß, Glück oder Danke und spürt hinein, wie sich das ausgesuchte positive Wort in euch anfühlt, lasst euch Zeit.
  3. Nun denkt wiederholend ein negativ belastetes Wort, wie z.B. Schwere, dumm oder Stress und erspürt dieses Wort, nehmt euch auch hier die Zeit.
  4. Spürt ihr den Unterschied? Wir Menschen verbinden etwas mit Wörtern, sie wirken auf unseren Körper und können uns Kraft geben oder auch nehmen. Jetzt habt ihr erlebt, wie unsere mehrere tausend Gedanken täglich in uns bewirken können.
  5. Mit neuen Gedanken kann unser Bewusstsein das Gehirn verändern. Jetzt denkt wieder an euer positives Wort.“

Wir bedanken uns bei beiden Teams herzlich für das Interview und die Informationen.

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