Wirtschaftskrise, globale Ressourcenknappheit, die scheinbar unüberwindbare Brücke zwischen Beruf und Familie und Esel, die Gold fressen, statt es auszuscheiden: Die Zeiten waren auch schon mal besser. Geldbeutel, die sich wie schwarze Löcher verhalten, bringen immer mehr Eltern auf die Idee, in Second Hand Kleidung zu investieren. Andere schütteln entrüstet den Kopf. Wie kann man dem eigenen Kind nur solche Lumpen anziehen? Im Duell „alt“ versus „neu“ fliegen die Fetzen. Und es stellt sich heraus: Second Hand kann viel mehr, als nur billig sein.

Second Hand Schuhe

Second Hand ist für viele Mütter eine Herzensangelegenheit.

Eine Gegenüberstellung

Die Friedensverhandlungen im Kampf um den idealen Zustand von Kinderkleidung beginnen mit einer guten alten Pro- und Contra-Liste. Was sind die Vorteile und Nachteile von Second Hand?

Pro Second Hand:

  • Geldvorteil: Second Hand Ware ist in den allermeisten Fällen günstiger als Neuware, auch wenn sie nur wenige Male getragen wurde (Kinder wachsen bekanntlich schneller, als man „Second Hand“ sagen kann!)
  • Individualität: Statt im H&M- oder C&A-Einheitslook herumzurennen, können Kinder mit Einzelware herausstechen.
  • Umweltschutz: Die Verbrennung von alten Textilien setzt gefährliche Giftstoffe frei, ebenso wie die Herstellung neuer Ware mit ökologisch höchst fragwürdigen Prozessen einhergeht.
  • Ressourcen schonen: Das Wiederverwerten alter Produkte stoppt die Nachfrage und bremst die Massenproduktion.
  • Gesundheit: Pestizidrückstände und chemische Bestandteile in Neuware sind eine Belastung für den kindlichen Organismus. Die meist mehrmals gewaschene und getragene Second Hand Kleidung ist deutlich weniger schadstoffbelastet und schont die Baby- oder Kinderhaut. So wird effektiv Allergien vorgebeugt (der Mamiweb-Blog gibt eine schöne Übersicht über bedenkliche Allergie-Auslöser in Kinderkleidung und wie man sie umgehen kann).
Contra Second Hand:
  • Ungewissheit über die Herkunft der Kleidung.
  • Schwieriger zu beschaffen, da verhältnismäßig wenige Gebrauchtwarenläden existieren und die Nachfrage noch eher gering ist.
  • Weniger Auswahl, v.a. bei Kleidergrößen.
  • Ab einer gewissen Altersstufe kann es passieren, dass Kinder sich weigern, „Ramsch-Mode“ zu tragen und modisch dazugehören wollen (Mamiweb präsentiert diesbezüglich Second Hand Erfahrungsberichte von Müttern).

Second Hand ja! Aber wo und wie?

Es haben sich einige Onlinemarken etabliert, die Vertrauen wecken und auf Qualität und Gesundheit achten. Hier ist allen voran Kirondo zu nennen. Das Online-Verkaufsportal legt besonderen Wert auf die praktische und moralische Umsetzung der Second Hand Idee. Sie senden jedem Interessenten bei Bedarf eine Tüte zu, die diese mit qualitativ hochwertiger Altkleidung befüllen und an das Portal zurücksenden können – völlig kostenlos. Das Team untersucht und fotografiert die Ware anschließend, um sie dann online zu verkaufen.

Unter den Suchbegriffen „(deine Stadt) + Second Hand + Kinderkleidung“ können bei Google alle Geschäfte gefunden werden, die unmittelbar in eurer Nähe gebrauchte Kleidung verkaufen. Diese sind für Berlin beispielsweise auf der Top10 Berlin Seite aufgelistet, für München bei Babynews und für Hamburg bei Mamilounge.de.

Second Hand

Second Hand heißt nicht immer, wie Opa auszusehen.

Tipps für Sparfüchse: Getauscht, geschenkt, geliehen, gebastelt

Die knuddeligen, kleinen Knautschgesichter können nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass Babys eine teure Angelegenheit sind. Vor allem alleinerziehende Mütter, die oft keine zweite Einkommensquelle haben, sind mit der Baby- und Kinderausstattung schlichtweg überfordert. Sie – und auch Mütter, die aus anderen Gründen sparen wollen – müssen sich daher nicht schämen, nach möglichst günstigen Alternativen zu suchen.

Getauscht und geschenkt: Im Internet gibt es Seiten, die neben Tauschware auch Sachen zum Verschenken auflisten. Nur ein Beispiel ist die Seite „Second-Hand.it“.

Geliehen: Hier geht es nicht um die Kleidung, sondern um den Transport der Kleinen. Gerade Kinderwägen sind teure Investitionen und schnell nicht mehr zu gebrauchen. Eine innovative und umweltschonende Idee: Mieten. Immer mehr Geschäfte bieten mittlerweile diese Option an, so etwa der Online-Dienst Stroller Park.

Gebastelt: „Basteln ist doch was für Kinder!“ heißt es gerne mal in Erwachsenenkreisen. Wir erwidern: „Na eben!“. Etliches Babyzubehör kann aus alten Utensilien im Haus selber kreiert werden und spart Geld und Platz. Lätzchen, Decken und Waschlappen können ohne Probleme aus alter Kleidung ausgeschnitten und eventuell zurechtgenäht werden. Eine Kindermütze ist in unter einer Stunde gehäkelt – und unverwechselbar (der „Mama Hoch 2“-Blog hat hierzu eine schöne Anleitung mit Video).

Second Hand Socken

Selbstgemacht währt noch immer am längsten.

Noch ein paar allgemeine Tipps:

    • Wenn möglich, Second Hand Kleidung in Geschäften und nicht im Internet kaufen. Zwar gibt es einige vertrauensvolle Online-Marken, bei etlichen Anbietern lässt sich jedoch nicht einwandfrei nachvollziehen, woher die Ware kommt und in welchem Zustand sie ist (Fotos täuschen!).
    • Keine Angst vor Viren! Second Hand Kleidung wird mittlerweile gut gereinigt, bevor sie in den Handel kommt und geht nicht einfach vom Körper des Vorbesitzers direkt auf die Stange.
    • Den Kindern auch den Sinn und die Vorteile ihrer Kleidung erklären – sobald sie alt genug sind, das zu verstehen – damit ihnen klar wird, dass sie etwas Besonderes tun.
Bilder: Shutterstock.com/A.G.A/Deyan Georgiev/natalia bulatova