Dass so ein kleines Baby so viel Müll produzieren kann, damit rechnen viele Eltern in ihrer Euphorie nicht. Doch die Windelberge sind enorm: 4000 bis 6000 Einwegwindeln verbraucht ein Baby in den ersten Lebensjahren. Die ökologische Alternative heißt Stoffwindel und erscheint aber vielen Eltern auf den ersten Blick als veraltet und unpraktisch. Wir haben deshalb mit Stoffwindel-Profi Carolin gesprochen und uns über die Vorteile aufklären lassen.
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Windeln wie zu Omas Zeiten?

Früher waren Stoffwindeln gang und gäbe, doch mit Erfindung des Weichplastiks wurden Einwegwindeln möglich. Heute sind sie ab wenigen Cents pro Windel in jedem Drogeriemarkt erhältlich und lassen sich auch mit wenigen Handgriffen im Hausmüll entsorgen. Selbst eigens dafür vorgesehen Mülleimer gibt es, die die Windeln dann auch noch geruchsarm verpacken. Der Müll, der so entsteht, ist enorm und eine deutliche Belastung für die Umwelt.
Windeln im Vergleich Stoffwindeln
Doch auch Stoffwindeln haben sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Sie sind keine riesigen Baumwoll-Ungetüme mehr, die nicht dicht halten und mehr Sauerei anrichten als dass sie helfen. Meist bestehen sie aus zwei Teilen: einem Höschen zum drüberziehen, welches feuchtigkeitsundurchlässig ist und einer Einlage, die die Ausscheidungen aufnimmt. Carolin, 30 und Mutter einer kleinen Tochter, nennt sich selber „leidenschaftliche Stoffwindel-Mama“. Sie hat eine ganz bestimmte Marke für sich entdeckt und war so begeistert von dem Konzept, dass sie die Stoffwindeln heute sogar importiert und online vertreibt. Denn die Cushie Tushies gibt es auch als Hybrid-Windeln.

Cushie Tushies: Der Hybrid unter den Windeln

Seit April dieses Jahres sind die Cushie Tushies dank Carolin auch in Deutschland erhältlich – davor gab es sie lediglich in Australien und Neuseeland. Das clevere an der Stoffwindel ist ihre Zwitterfunktion: wahlweise können wiederverwendbare Stoffeinlagen oder ökologisch abbaubare Einwegeinlagen verwendet werden. „Wer will, kann die Bequemlichkeit einer Einwegwindel genießen, ohne dabei auf die Vorteile einer Stoffwindel verzichten zu müssen.“ Zusätzlich empfiehlt Carolin noch ein Vliestuch über die Einlage zu legen, mit dem dann der Stuhl des Babys einfach in der Toilette entsorgt werden kann.

„Die Windel kommt in Einheitsgröße und passt von ungefähr 3-17kg. Um sie für ein neugeborenes Baby passend zu machen, wird lediglich der vordere Teil nach unten gefaltet und die Flügel mit den Druckknöpfen an der Innenseite befestigt. Die Windel ist sehr hochwertig verarbeitet, mit elastischen Bündchen am Rücken und den Beinchen, was für einen besonders hohen Auslaufschutz sorgt.“

Gleichzeitig ist auch das verarbeitet Material heute nicht mehr hart und steif, wie zu Omas Zeiten, sondern besteht aus weichen Stoffen. Die Einlage ist etwa mit Microvlies überzogen, um besonders schonend für den Babypopo zu sein.

Vorteile von Stoffwindeln

Neben dem ökologischen Aspekt bieten die Stoffwindeln aber auch den Vorteil, dass sie deutlich kostengünstiger sind. Denn die benutzten Stoffeinlagen und die Windel werden ja wiederverwendet:

„Die Windeln werden bei 30 bis max. 60 Grad warmen Wasser gewaschen (Außenhülle und Einlagen). Ich wasche unsere Windeln immer bei 40 Grad – und das schon seit 2 Jahren – und die meisten sehen noch so gut aus, dass wir unser zweites Kind mit den gleichen Windeln wickeln werden. Unsere Cushie Tushies sind ähnlich geschnitten wie Einwegwindeln, werden ähnlich benutzt wie Einwegwindeln und müssen nach Benutzung weder eingeweicht, gekocht, gebleicht noch gebügelt werden.“

Die Hybrid-Windeln sind nicht nur praktisch, sondern auch süß anzuschaun.

Die Hybrid-Windeln sind nicht nur praktisch, sondern auch süß anzuschaun.

Durch das eingelegte Vlies hält sich auch die Verschmutzung der Einlagen in Grenzen. Selbst mit den Einmaleinlagen, die abbaubar sind, hält sich der Müll in Grenzen. Wer mag, kann beide Varianten auch kombinieren: daheim die wiederverwendbaren Einlagen und für Unterwegs oder im Urlaub dann die Wegwerfvariante. Carolin hat sich für die Stoffwindeln aber auch deshalb entschieden, weil sie weniger Chemikalien beinhalten und somit für empfindliche Babyhaut besser geeignet sind.

Damit Kinder schneller trocken werden

Gleichzeitig sind Stoffwindel-Verwender überzeugt, dass diese Form der Windel den Kindern dabei hilft, schneller trocken zu werden. Wissenschaftlich sei das zwar nicht belegt, so Carolin, dennoch glaubt sie daran, dass das trockene Hautgefühl bei Einwegwindeln den Prozess hemmt: „Ich denke, dass Stoffwindelkinder schneller den Zusammenhang zwischen körperlichem Vorgang und Hautgefühl verstehen und motivierter sind, aufs Töpfchen zu gehen. Unsere Tochter war auch mit 18 Monaten tagsüber komplett trocken. Trotzdem sind Stoffwindeln keine Garantie dafür, dass jedes Kind sehr früh trocken wird.“

Helfen können dabei aber auch die „Trainers“, die Carolin anbietet. Das sind dünne Windeln, die einer normalen Unterhose gleichen. „Das Kind kann sie eigenständig hoch und runter ziehen und spürt die Nässe, sobald es in die Windel gemacht hat. Es lernt dadurch den Zusammenhang zwischen körperlichem Vorgang und Hautgefühl. Das Verständnis dieses Zusammenhangs ist Voraussetzung dafür, dass ein Kind trocken werden kann.“

Fazit: Günstige Alternative mit Abzug in der Bequemlichkeits-Note

Die Windeln sind mittlerweile definitiv ähnlich gut entwickelt wie Einwegwindeln aus Plastik. Für alle, die Müll und Geld sparen wollen, sind sie eine super Alternative! Carolin empfiehlt werdenden Eltern, sich die Vor- und Nachteile gründlich zu überlegen. Denn ganz richtig: „Stoffwindeln bieten Ihrem Kind, Geldbeutel und der Umwelt viele Vorteile, wenn allerdings „Bequemlichkeit“ oberste Priorität für Sie hat (was absolut OK ist!), dann werden Stoffwindeln kaum die richtige Wahl für Sie sein.“

Bilder: © iStock.com/kasjato, Cushie Tushies via Caroline
Video: https://www.youtube.com/watch?v=ugJ5TpJ1iLI