Als Neu-Eltern ist das Thema Urlaub mit Kind völlig neues Terrain. Da wir beruflich beide viel reisen, das Packen eigentlich gewohnt sind, ist das Verreisen mit Baby jedesmal eine Herausforderung. Wir wollen nichts zuhause vergessen, dem Kind alles im Urlaub bieten und gleichzeitig selbst auch noch entspannen. Hier ein kleiner Reisebericht über unseren letzten Urlaub, der zum Aktivurlaub wurde.

Sonne, Sand und Meer- ein Paradies für die Kleinsten

Sonne, Sand und Meer- ein Paradies für die Kleinsten

Kurz entschlossen in die Sonne

Da der diesjährige Sommer nicht das Wahre war, haben wir uns kurzfristig entschlosssen nach Mallorca zu fliegen. Da uns der letzte Urlaub in einem Club zu laut und zu anstrengend war, haben wir uns diesmal für eine vermeintlich ruhige Ferienwohnung entschieden. Diese sollte strandnah sein und über eine Küche verfügen, also haben wir schnell gebucht und uns leider zu wenig über die Gegend informiert. Der Ort Calla Millor ist in der Ferienwohnungsanzeige etwas beschönigt dargestellt worden. Uns war wichtig, dass die Kleine einen kinderfreundlichen Strand vor der Nase hat und wir weit weg vom berüchtigtem Ballermann sind. Dass sich dieser Ort jedoch als schlimmer herausstellt, konnten wir nicht ahnen.

Packen will gelernt sein

Da wir schon ein paar Mal mit unserer Kleinen (15 Monate) verreist waren, wollten wir es diesmal besser machen und nur zwei Koffer, den Sommerbuggy und möglichst wenig Handgepäck mitnehmen. Ich habe es tatsächlich geschafft nur zwei Koffer für uns drei zu packen. Die Autovermietung bietet zwar einen Kindersitz zum Verleih an, doch für weniger Geld habe ich einen gebrauchten Markensitz in Top Zustand gekauft und diesen mit in den Urlaub genommen. Somit wusste ich, dass der Sitz sicher ist und er über eine Schlafposition verfügt, die Gold wert ist. Nach unserem Mallorca Tripp, kommt er als Zweitsitz zu den Großeltern und wird uns sicherlich auf weiteren Reisen begleiten. In zwei Ikea-Tüten verpackt und mit den Handtüchern gepolstert, haben wir ihn beim Sperrgepäck aufgegeben.

UV- Strand Muschel- das A und O für einen gelungenen Urlaub

Da unsere Kleine gerne ihren Mittagsschlaf hält und wir ihn ihr auch nicht verwehren wollen, haben wir vorab eine UV-Strandmuschel bestellt. Wichtig war uns hier, dass sie über Belüftung an den Seiten verfügt. Denn in den herkömmlichen Strandmuscheln staut sich die Hitze und es ist unerträglich heiß. Das Pop-Up Zelt kann man zusammenfalten und über die Schulter hängen, allerdings passt es in keinen Koffer. Also haben wir das Zelt wohl oder übel als Handgepäck mitnehmen müssen. Zurück aus dem Urlaub kann ich jedoch sagen, dass diese UV-Muschel Gold wert war und ich sie nicht mehr missen möchte.

So eine Strandmuschel ist gemütlich

So eine Strandmuschel ist gemütlich

Der Hinflug

Wir haben uns bewusst für einen sehr frühen Flug entschieden. Unsere Kleine ist zwar eine Frühaufsteherin, doch drei Uhr morgens ist selbst ihr zu früh. Daher haben wir den Mittagsschlaf am Vortag ausfallen lassen und sie schon um 18.00 Uhr schlafen gelegt. Die Rechnung ging auf: Um drei Uhr nachts war sie fit wie ein Turnschuh, was man von uns nicht behaupten konnte. Sie schlief püntlich zum Start um 6 Uhr in meinen Armen ein und wurde zur Landung wieder wach. Somit war es für uns und alle anderen Passagiere ein sehr angenehmer Flug. Wir würden immer wieder so früh fliegen, das hat bei uns wunderbar geklappt.

Ankunft in der Ferienwohnung

Nach einem erfreulichen Upgrade bei der Autovermietung, steuerten wir einen großen Supermarkt an um für die nächsten Tage einzukaufen. Wir waren ja quasi Selbstversorger. In der Wohnung angekommen liefen wir wie gegen eine Wand. Es war kaum auszuhalten: Die Wohnung verfügte über keine Klimaanlage und auch das Öffnen der Fenster brachte keine Linderung. Die Ausstattung war sehr einfach, es war jedoch alles da was wir benötigten. Jedoch sparte der Vermieter an Kleinigkeiten wie Seife, Müllbeutel, Fön etc. Mit Liebe wird diese Apartmentanlage jedenfalls nicht geführt. Wir kamen Mitte September noch auf Temperaturen von rund 34 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. Die Kleine war nassgeschwitzt, quengelig und wir mittlerweile auch nervlich etwas angespannt. Das Meer war zwar schön, jedoch alles andere katastrophal. Es mag sicherlich einige Leute geben, die diese Ballermann-Atmosphäre mögen – wir jedenfalls fanden es schrecklich. Den Strand vor der Türe haben wir somit nur zwei Mal genutzt. Hier liegt man Handtuch an Handtuch und der Geräuschpegel ist enorm. Wir kamen uns vor wie in einem riesigen deutschen Strandbad.

Reiseführer nicht vergessen

Wir waren vor dem Urlaub  in der Bücherei, um uns diverse Reiseführer auszuleihen, haben noch einen eigenen gekauft und dann promt alle zuhause vergessen. Dies fiel uns allerdings leider erst im Flieger auf – die Schuldfrage ist immernoch nicht geklärt. Am Strand findet man dann als Ersatz immer nur die selben Mallorca Bilderbände; aber keinen richtigen Reiseführer. Erst nach drei Tagen bin ich auf einen großen Presseshop gestoßen und habe mir einen etwas anderen Reiseführer gekauft, der zwar das dreifache gekostet hat, jedoch jeden Cent wert war. Hier geht es ausschliesslich um alle 262 Buchten/ Strände Mallorcas.

Von nun an sind wir viele Buchten abgefahren und waren fast täglich an einem anderen Strand. Die menschenleere Bucht haben wir jedoch vergeblich gesucht. Diese gibt es sicherlich, doch mit Kind bevorzugt man die Strände mit Zufahrtsmöglichkeit und lässt die sicherlich traumhaft schönen Buchten aus, die einen 3 km Fußmarsch erfordern. Die Kleine hatte jedoch, egal an welchem Strand wir waren, richtig Spaß.

Packesel benötigt

Ich frage mich wirklich, ob es anderen Familien auch so geht wie uns: Wir waren bepackt, als würden wir auswandern wollen. Ich war täglich aufs neue überfragt: was sollte ich in der Wohnung lassen und was muss sicher mit? Ich zähle mal auf: Sandspielzeug, Sonnencremes, mindestens drei Sonnenhüte fürs Baby, UV-Klamotten zum Wechseln, Sonnenschirm, UV-Muschel, Handtücher, Obst, Kekse, Bücher, Einschlaf- Bärli, Wechselklamotten für später, Getränke für das Kind und uns, Buggy oder Manduca.

Das ganze ist natürlich stressfreier, bucht man ein Hotel mit eigenem Strand. In unserem Fall sind wir täglich zu verschiedenen Stränden gefahren und konnten uns tagsüber auch nicht in der Wohnung aufhalten. Dafür war es viel zu heiß. Den Mittagsschlaf hielt unsere Kleine daher immer im Auto oder vorzugsweise in der Strandmuschel. Waren wir jedoch am Strand angekommen, war es meist traumhaft schön. Oft haben wir den ganzen Tag am Strand verbracht und sind erst spätabends in die Wohnung zurückgekehrt. Wir hatten jedoch Glück, denn unsere Tochter schläft gerne in ihrem Buggy (Liegeposition möglich), im Auto und in der Strandmuschel. Nach rund zwei Tagen hat man auch einen eigenen Urlaubsrythmus entwickelt und manche Dinge werden nicht mehr so Ernst gesehen wie daheim. Dort wird beispielsweise darauf geachtet, dass die Kleine ihren Schlaf zuhause im Bettchen hält und die Zeiten einigermaßen eingehalten werden. In unserem Fall konnten wir die Kleine jedoch nicht tagsüber in der Ferienwohnung hinlegen, dafür war es zu stickig und laut.

Cala Mesquida- eine schöne Familienbucht

Cala Mesquida- eine schöne Familienbucht

Die Ferienwohnung – jeder hat mal Pech

Aus Fehlern lernt man – und das kann man von unserer Ferienunterkunft wirklich behaupten. Es war zwar viel Pech dabei, jedoch sind wir auch teilweise selbst Schuld. Wir hätten uns über die Lage einfach besser informieren sollen. In der Anzeige war es ziemlich beschönigt worden und die Bilder wirkten idyllisch. Was uns der Vermittler leider nicht gesagt hat war, dass die Wohnung direkt über Müllcontainern lag, die täglich nachts um 3:30 Uhr geleert wurden. Da die Wohnung über keine Klimaanlage verfügte, mussten wir bei offener Balkontür und mit Ventilator (den wir uns selbst besorgt hatten) schlafen. Außerdem war unter uns ein Restaurant, sodass wir ständig den Küchengeruch im Schlafzimmer hatten und der Geräuschepegel war enorm. Erholung sieht wirklich anders aus. Somit war es täglich eine Flucht und wir haben viel Zeit im Auto verbracht. Zumindest haben wir so einige Ecken der Insel kennengelernt, die wir unbedingt wieder sehen möchten und auch dort den Urlaub verbringen möchten. Ich rate jeder Familie, sich vorab über die Gegend zu informieren. Es gibt viele künstlich, eigens für die Touristen hochgezogene Orte, die teils wirklich geschmacklos und laut sind.

Krank im Urlaub

Unser Urlaub neigte sich dem Ende zu, wir hatten insgesamt zehn Tage gebucht. Wir waren zwei Tage hintereinander in einer traumhaft schönen Bucht und freuten uns auf den Abend, denn wir würden Opa und Onkel treffen, die ebenfalls auf der Insel Urlaub machten. Plötzlich fing es bei mir an und ich hatte schreckliche Magen-Darm-Probleme. Ein paar Stunden später folgte unsere Kleine und das war besonders schlimm, denn wir hatten noch keinerlei Erfahrung mit dieser Art von Krankheit bei Babys. Mir tat es so leid, denn ich fühlte mich hundeelend und war nicht in der Lage mich um die Kleine zu kümmern. Zum Glück ging es meinem Mann zu dieser Zeit noch gut und er konnte sich um die Kleine kümmern. Das hat er wirklich toll gemacht. Die Nacht war schlimm und wir gingen gleich morgens zum Arzt. Dieser versorgte uns mit Medikamenten, diagnostizierte eine Lebensmittelvergiftung und gab mir eine Spritze. Sowas braucht wirklich kein Mensch im Urlaub und ich bin froh, dass mein Mann verschont geblieben ist. Somit konnte sich zumindest einer um das Kind kümmern. Wir haben unseren Urlaub verlängert, was uns natürlich alle drei sehr gefreut hat. Uns gefiel es auf der Insel trotz der paar Hindernisse sehr gut und es zog uns nichts ins kalte Deutschland zurück. Für die nächsten vier Nächte sind wir natürlich umgezogen und hatten diesmal richtig viel Glück. Das neue Appartment war groß, mit Klimaanlage ausgestattet und verfügte über eine tolle Ausstattung. Der spanische Vermieter war sehr freundlich, hilfsbereit und wir haben uns rundum wohl gefühlt. Schade, dass wir nicht die ersten zehn Tage in diesem schönem Appartment verbracht haben.

Urlaub mit Kleinkind ist anders

Urlaube mit Kindern sind nun anders und ungewohnt, doch trotzdem wunderschön. Alles ist etwas stressiger, man muss an vieles denken (Essen unterwegs, eincremen, Sachen zusammen packen)  und kann nicht mal eben mit einem Handtuch und einem Buch unterm Arm zum Strand und sich dort stundenlang auf die Liege legen. Stattdessen ist Sandburgen bauen und Action angesagt. Doch den Spaß, den die Kleine dabei hat, entschädigt uns als Eltern für viele verlorengegange Stunden auf der Sonnenliege. Außerdem ist nicht gesagt, dass man keine Zeit für sich selbst findet. Den Mittagsschlaf beispielsweise kann man wunderbar nutzen, um sich mit einem Buch zurückzuziehen und abwechselnd ein paar Runden zu schwimmen. Auch sollten sich die Eltern abwechseln, das hatten wir anfangs auch besprochen. Meist saßen wir jedoch zu dritt am Wasser und haben gespielt. Das hat uns allen so viel Spaß gemacht. Als Neu-Eltern erlebt man nun eine völlig neue Art von Urlaub und sieht vieles wieder mit Kinderaugen. Urlaub mit Kind ist anders und das ist nicht negativ gemeint- es ist anders wunderschön.

 

Bilder: privat