Das Tragen eures kleinen Schatzes mit einem Tragetuch oder mit einer Tragehilfe wirkt sich nicht nur positiv auf euren Rücken aus, sondern auch auf die Bindung zwischen Eltern und Kind. Die zertifizierte Trageberaterin Sarah zeigt euch, wie ihr eure Babys tragen könnt, damit ihr und das Kleine euch wohlfühlt.

Tragetuch

Sarah ist Mitglied im Vorstand des Tragenetzwerk e. V. und bietet unter anderem Trageworkshops an.

Für Mutter und Kind

Sarah von Familienwiege
Sarah ist zweifache Mutter und auf ihrem Blog Familienwiege teilt sie ihr Wissen rund um Erziehung, Kinder und das Muttersein mit anderen Müttern. Ein Thema liegt ihr besonders am Herzen: Das Tragen des Babys. Im Interview hat uns die zertifizierte Trageberaterin die besten Tipps für das bewusste Tragen mit Tragehilfe oder –tuch verraten.

Das nahe Tragen des Babys am Körper von Mama oder Papa hat nicht nur praktische Gründe, es ist auch wichtig für die Entwicklung eures Babys. Sarah erklärt, wieso: „Seit hunderten von Jahren sind wir auf das Tragen unserer Sippe angewiesen. Das weiß auch der kleine Babykörper, er reagiert beim Ablegen: Das Baby weint beispielsweise.“

Die Babys profitieren ganz vielfältig beim getragen werden: „Sie können Herz- und Atemrhythmus besser anpassen, haben weniger Wärmeverlust, die Tiefenmuskulatur arbeitet auch im Schlaf mit, die  Hüftreife wird positiv beeinflusst und die Wirbelsäule wird gut gestützt.“, so die 32-Jährige.

Tragehilfe

Natürlich liebt es euer Kleines auch vom Papa getragen zu werden.

Aber auch für Eltern hat das Tragen mithilfe einer Tragehilfe oder einem Tragetuch viele Vorteile, und diese liegen auf der Hand: „In einer gut passenden Lösung haben die Eltern beide Hände frei! Ihr seid wesentlich mobiler, egal ob in der Großstadt oder in der freien Natur.“

Tragetuch

„Wenn ihr das Baby in einem Tragetuch tragt, könnt ihr schon früh die Kommunikation und damit die Bindung zwischen Eltern und Kind stärken“, so die zweifache Mutter.

Tragetücher oder Tragehilfen: Was ist das Richtige für euch?

Tragetücher und Tragehilfen sind dasselbe? Falsch gedacht! Sarah erklärt uns die Unterschiede: „Tragetücher sind lange Tuchbahnen in unterschiedlichen Längen und Breiten aus gestrickten oder gewebten Stoffen. Hier unterscheiden sich fest gewebte Tücher, diese sind in der diagonalen elastisch und elastische Tragetücher, diese sind in jede Richtung elastisch.“

Mit Tragehilfen könnt ihr hingegen euer Kleines tragen, ohne dass ihr 3-5 Meter Stoff wickeln müsst: „Hier gibt es sehr viele verschiedene Arten, die gängigsten sind Meitais, bestehend aus einem Bauchgurt, Bindeträgern und Vollschnallentragen, diese haben einen Bauchgurt und Schultergurte, die mit Polster recht kurz sind und überall per Schnalle geschlossen werden können“, erklärt uns die Expertin.

Mutter-Kind-Bindung

„Das Leben gestaltet sich stressfreier, wenn das Baby immer mit dabei ist und ihr die ersten Zeichen, zum Beispiel Hunger, gut wahrnehmen könnt“, meint Sarah.

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Arten von Tragehilfen. „Und das ist gut so“, meint Sarah. „Denn es zeigt sich in den Beratungen: Eltern und Baby sind unterschiedlich. Sie haben unterschiedliche Staturen, unterschiedliche Bedürfnisse und empfinden Dinge als bequem, die andere vielleicht ausschließen würden. Es gibt weltweit ca. 80-90 verschiedene Tragehilfen der Hersteller. In Deutschland gängig sind ca. 40 Stück, der Markt wächst stetig. Von Podeagis, Meitais über Halfbuckle, Hybrid-Tragen, Wrapcons, Vollschnallentragen, Onbuhimos, vieles ist vertreten.“

Welche Tragemethode das Beste für euch und euer Kind ist, testet ihr am besten zusammen mit einer Trageberaterin oder einem Trageberater aus. Ihr findet geprüfte und professionelle Berater beim Tragenetzwerk e.V.

Darauf solltet ihr beim Tragen achten!

Obwohl das Baby auf jeden Fall davon profitiert, getragen zu werden, solltet ihr darauf achten, dass die gewählte Bindeweise und die auserkorene Tragehilfe auch für euch bequem ist und an keiner Stelle drückt oder wehtut.

Die persönlichen Bedürfnisse des Kindes müssen natürlich immer im Vordergrund stehen: „Auch bei besonderen Kindern treten natürlich deutlichere Probleme auf, zum Beispiel beim Tragen mit Gips, Schienen oder bei Anpassungsstörungen nach der Geburt. Das sind Fälle, in denen die Eltern bei einer Trageberaterin gut aufgehoben sind. Hier können sie ihre Bindeweise prüfen, gegebenenfalls eine neue Erlernen, ihre Tragehilfe checken oder andere ausprobieren, damit das Tragen nicht zur Last wird“, so Sarah.

Wie lange solltet ihr das Kleine tragen?

Das sollte jedes Eltern-Kind-Paar ganz individuell entscheiden: „Ob pro Tag kurz oder lang oder auf das Jahr gesehen länger als andere. Es gibt Eltern, die finden Tragen im Urlaub nach wie vor super und tragen ihre Kleinkinder bequem und sicher auf Tagesausflügen oder bei Strandspaziergängen, genauso wie die, die nur Erleichterung bei Wäschebergen oder Wollmäusejagd suchen.“

Wohlfühlen mit Tragetuch

Wohlbefinden für Eltern und Kind steht bei Tragetüchern und –hilfen im Vordergrund.

Wir bedanken uns bei Sarah für die hilfreichen Tipps! Lasst uns gerne einen Kommentar da über eure persönlichen Erfahrungen mit Tragehilfen und Tragetüchern!

Bilder:  © www.familienwiege.de