Smartphone-Debatte: Soll ich mein Kind vernetzen?

Von  |  0 Kommentare

Das Interesse für Smartphones wird bei Kindern schon früh geweckt: Mitschüler präsentieren stolz ihre High-Tech-Geräte, Lehrer gründen Studiergruppen im Netz, die ganze Welt postet Selfies und intime Gedanken online – während Krebs- und Verhaltensforscher Alarm schlagen. Wir wollen versuchen, dieses Sammelsurium an Widersprüchen für besorgte Eltern aufzuklären.

Kind_Smartphone

Smartphone-Benutzung von Kindern schnellt in die Höhe

Studien zufolge benutzen inzwischen durchschnittlich etwa 86 Prozent der Kinder ab 12 Jahren ein Smartphone (laut Bitkom-Studie 2014). Die Folge: Kinder von heute sind einer komplett anderen Wirklichkeit ausgesetzt, als noch vor zehn Jahren.

Die Gründe, warum sich Kinder Smartphones wünschen, sind vielseitig: Von Gruppenzwang, dem Besitz eines Statussymbols, „Dazugehören“ oder gesunder kindlicher Neugierde bis hin zu Schulrecherchen, Spielen, Videos, Musik, Telefonieren und dem sozialen Austausch über soziale Netzwerke. Als Eltern solltet ihr vorsichtig evaluieren, wie wichtig die einzelnen Gründe wirklich sind – aus ihrer und eurer Perspektive.


Hier die Vorteile von Smartphones aus erziehungstechnischer Sicht:

  • Ständige Erreichbarkeit durch Eltern
  • Schnelle und mobile Recherche zu Schulthemen
  • Wissen ist per „Touch“ erreichbar –> Motivationsschwelle für die Informationssuche sinkt erheblich
  • Kann – vor allem eher schüchternen Kindern – das Knüpfen von Freundschaften und das Finden Gleichgesinnter in der heiklen Phase des Heranwachsens erleichtern –> Stärkung des Selbstbewusstseins

Die Gefahren der Smartphone-Benutzung im Kindesalter sind jedoch brisant:

  • Abkapselung von Umwelt und Familie –> Emotionale Vereinsamung als Phänomen der „Generation Smartphone“
  • Mangelnde Reife, um mit einem so vielseitigen Gerät verantwortungsvoll umgehen zu können
  • Überforderte Eltern können dazu tendieren, ihre Kinder mit dem Kauf eines Smartphones „ruhigstellen“ zu wollen, aber: Smartphones können menschliche Wärme und Erziehung nicht ersetzen!
  • Fehlende, bzw. noch nicht voll entwickelte Kompetenz der Kinder, die Folgen ihrer Handlungen, z.B. eines Klicks oder des Hochladens eines Fotos von Mitschülern, abzuschätzen
  • Im Gegensatz zum PC ist das Smartphone des Kindes oft außer Reichweite der Eltern: Auch nicht jugendfreie Seiten leicht zugänglich

Forscher schlagen Alarm: Smartphones als entwicklungspsychologische Bedrohung

Früher Lego - heute Smartphone

Früher Lego – heute Smartphone

In zahlreichen wissenschaftlichen Studien wurde untersucht, inwieweit die Benutzung von Handys und Smartphones die Entwicklung und Gesundheit von Kindern beeinflussen kann. Hier eine Übersicht:

Umweltarzt Dr. Joachim Mutter warnt darüber hinaus vor Schädigungen der Erbsubstanz, Tinnitus, Hirnstromveränderungen, Hirnkrebs (er spricht von einem 5,2-fach erhöhtem Risiko) und Hormonveränderungen nach einer Anwendungsdauer von nur zehn Jahren und rät ausdrücklich von Babyphones ab (hier das komplette Interview zur Schädlichkeit von Handys). Aufgrund dieser Risiken, fügte die Versicherung Swiss-Re den Mobilfunk im Jahr 2013 ganz offiziell zur höchsten Risikostufe hinzu (Quelle).

Die Lösung: Grenzen aufzeigen

Solltet ihr euch als Eltern trotz der Gefahren für den Kauf eines Smartphones entscheiden, ist Kommunikation zentral. In klärenden Gesprächen sollten Eltern ihre Entscheidung (Smartphone, ja oder nein? Wie oft und wie lange?) eingängig erklären.

Kein Kind unter 10 Jahren sollte mit Smartphones in Kontakt kommen, auch nicht für Spiele und möglichst nicht einmal passiv. Handystrahlen belasten auch aus Metern Entfernung und vor allem in der Schwangerschaft. Dafür ist die organische Entwicklung (z.B. der Augen und Nervenbahnen) in dieser Phase zu sensibel. Zwischen 10 und 14 Jahren ist ein gelegentliches Benutzen von Smartphones in Erwägung zu ziehen, aber nur, wenn die Eltern die Kontrolle über die Benutzung behalten. Ab 14 Jahren kann dann allerfrühestens über die Anschaffung eines eigenen Smartphones gesprochen werden. Meine persönliche Empfehlung ist allerdings: Erst ab 16 sind die Gründe für den Besitz eines eigenen Smartphones ausreichend und die kognitive Entwicklung ausreichend fortgeschritten, um die schlimmsten Gefahren ausschließen zu können.

Beim Kauf bedenken:

  • Kostenkontrolle durch passenden Tarif: Den Kindern sollte eine begrenzte Anzahl an SMS, Telefonaten und Datenmenge zur Verfügung stehen –> Prepaid, kein Vertrag
  • Das Kind sollte den Umgang mit dem Handy und der Prepaid-Funktion selber regeln, d.h. mit dem eigenen Taschengeld zahlen, um zu lernen, wie man verantwortungsvoll mit Geld und technischen Geräten umgeht
  • Lieber gebrauchte Smartphones verwenden: Kinder sind tollpatschig
  • Über Risiken aufklären: Teure Apps, Abo-Fallen, Sonderrufnummern
  • Klare Regeln und Absprachen: Wie lang darf es benutzt werden, wofür, wofür nicht?
  • Gefährliche Nummern und Seiten eventuell durch den Anbieter sperren lassen
  • Handys strahlen auch, wenn sie nicht in Benutzung sind –> Kinder dazu auffordern, ihre Handys so oft wie möglich auszuschalten, vor allem nachts (das gilt für Eltern genauso!)

Bilder: Shutterstock.com/sakkmesterke/Twin Design


Als Familista-Redakteurin habe ich vor allem ein Ziel: Eltern, werdenden Eltern und Frauen mit (unerfülltem) Kinderwunsch das Leben zu erleichtern. Meine Devise: Lieber konkrete Ratschläge als ewige Grundsatzdebatten! Was hilft und was ist Humbug?

Mach mit! Schreibe einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.