Es ist keine leichte Entscheidung: widme ich mich in der Zukunft ausschließlich meinen Kindern oder bleibe ich bei der bereits geliebten Routine des Arbeitsalltags? Beides Gleichzeitig zu bewältigen ist nämlich alles andere als ein Zuckerschlecken. Was also nun? Kind oder Karriere oder beides? Paula hat ihn gefunden, den Mittelweg, und schreibt in ihrem Blog über den täglichen Familienwahnsinn mit drei Männern und das Leben zwischen Kind und Arbeit.

familie beruf

Mutter sein ist oft schon Arbeit genug.

„Bleib cool, Mami!“

Dieser oft wiederholte Satz ihres Mannes brachte Paula zum passenden Namen ihres Blogs, denn zuerst genervt, erwischt sie sich nun immer wieder selbst dabei, wie sie sich manchmal an den Ohren packt und denkt: „Bleib cool. Mami!“

Als Mutter von Zwillingen hat sie sich entschieden, den Beruf zunächst an den Nagel zu hängen. Wir haben nachgefragt, wie das für sie war.

Mit einem Wort – schwierig. Ich bin eine späte Mama und habe mein gesamtes Erwachsenenleben vor den Kindern, das waren immerhin zwanzig Jahre, entweder in der Ausbildung oder mit der Ausübung meines Berufes verbracht. Mit einem Mal fiel eine tragende Säule in meinem Leben weg. Mir fehlten der tägliche Austausch mit Erwachsenen, geistig fordernde Aufgaben und die Anerkennung meiner Leistungen außerhalb der Familie. Zuhause fiel mir auch so manches Mal die Decke auf den Kopf. Erst nach einem Dreivierteljahr habe ich wieder etwas mehr am Leben außerhalb meiner Familie teilgenommen. Ich habe ein Eltern-Kind-Treffen geleitet und dadurch zwei neue Mama-Freundinnen gewonnen, mit denen ich mich gerne austausche und nach und nach wieder begonnen, die Beziehungen zu meinen langjährigen Freundinnen zu pflegen
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Kind & Karriere?

Oftmals wollen Mütter nicht auf den beruflichen Erfolg verzichten, aber gleichzeitig eine Familie gründen. Der Spagat zwischen Karriere und Familie ist nicht zu unterschätzen, kann aber trotzdem möglich sein, solange die Belastung nicht zu einseitig ist. Paula gibt auf bleibCOOLmami.com Tipps zum Thema und erzählt von eigenen Erfahrungen.

Unter ‚Karriere‘ verstehe ich einen anspruchsvollen Vollzeitjob beider Elternteile. Das stelle ich mir definitiv schwierig vor, solange Kinder noch im Vorschulalter sind. Gute Vereinbarkeit hängt sicherlich von verschiedenen Faktoren wie Beruf der Eltern, deren Arbeitszeiten, Qualität der vorhandenen Betreuungseinrichtungen etc. ab. Man sollte sich auf alle Fälle ein ‚Netzwerk‘ für Betreuungsnotfälle aufbauen und sich bezüglich der Haushaltsarbeiten vom Perfektionismus verabschieden. Und auf jeden Fall die wenige Zeit, die man für Kinder und Partner neben dem Beruf zur Verfügung hat, bewusst gestalten.

„Nur“ Mami

Das war Paula die ersten zwei Jahre, bis sie sich entschlossen hat, nebenbei arbeiten zu gehen. Zwar fehlt die Zeit in den ursprünglichen Beruf zurückzukehren, aber eine geringfügige Beschäftigung in einer Arztpraxis hat ihr geholfen, sich wieder ausgeglichener zu fühlen. Glücklich darüber ist sie vor allem, da noch genügend Zeit für die Kinder übrigbleibt. Aber wäre nur Mami sein auf Dauer denn langweilig?

Langeweile ist vielleicht nicht der passende Ausdruck, denn die kommt mit Kindern selten auf. Die kleinen Racker können einen jede Minute des Tages in Anspruch nehmen und oft wünscht man sich, wenigstens eine halbe Stunde Zeit nur für sich selbst und ein wenig Müßiggang zu haben. Nur Mutter sein wäre für mich aber auf jeden Fall ‚eintönig‘, ich wünsche mir ein Leben mit unterschiedlichen Perspektiven. Ich möchte nicht immer nur ‚Mama von …‘ sein, sondern auch wieder als eigenständige Persönlichkeit, als Frau, wahrgenommen werden.

Stressbewältigung

Trotz allen Glücks, ist so ein Leben mit Zwillingen nicht immer einfach. Vor allem im ersten Jahr hat es Paula auch schon mal an ihre Grenzen gebracht. In solchen Situationen, in denen man einfach nur vor Verzweiflung laut aufschreien möchte, ist es schwer, cool zu bleiben. Da hilft nur die Unterstützung vom Ehemann oder von Freunden. Oder…

…viel rausgehen in die Natur, Bewegung, mich bei der besten Freundin ausheulen oder in Ruhe ein Glas Wasser trinken und tief Durchatmen.

Tipps für Mamis

Ohne Frage, Paula weiß, wovon sie auf ihrem Blog schreibt und hat mit diesen Erfahrungen auch schon einigen Mamis fesseln können. Wir haben sie gefragt, welche Tipps sie den Müttern da draußen mit auf den Weg geben möchte.

  1. Handle nach deinem Bauchgefühl.
  2. Such dir eine Freundin, die deine Situation nachvollziehen kann und ein guter Zuhörer ist.
  3. Verbünde dich mit anderen Müttern.
  4. Bau dir ein Netzwerk von Menschen auf, die du um Hilfe bitten kannst.
  5. Betrachte dein Kind als das Kostbarste, das du hast, aber vergiss deine eigenen Bedürfnisse und die deiner Freunde und Familie nie.
  6. Klammere dich nicht an deine Kinder, wenn sie gehen wollen, lass sie ziehen. Wie schon Goethe so schön sagte: „Wenn deine Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.“

 

Keine leichte Aufgabe also, alles unter einen Hut zu bringen. Aber auch keine unmögliche! Wie so oft lässt sich schlecht verallgemeinernd sagen, ob Kind und Karriere zusammen funktionieren oder nicht. Jeder muss für sich selbst herausfinden, welcher Weg der richtige ist.

Wir bedanken uns bei Paula für das interessante Interview!

 

 

Bild: Kzenon/panthermedia.net