Darf ein Kind schon mit Drohnen fliegen?

Ferngesteuerte Spielzeuge üben schon immer eine große Faszination auf Kinder aus. Und während die Anfänge bei kabelgebundenen Autos lagen, ging der Weg von ersten funkferngesteuerten Fahrzeugen über Boote recht rasant zu fliegenden Objekten. Und gerade in der letzten Zeit nimmt die Bandbreite an verfügbaren Quadrocoptern, Hexacoptern und anderen fliegenden Spielzeugen rasant zu.

Und – mal ehrlich – wer wünscht sich nicht, einfach mal in die Luft zu gehen und den Reiz der veränderten Perspektive zu genießen? Vielleicht auch (wenn eine Kamera dabei ist) Bilder aus ganz spektakulären Perspektiven zu machen?

Noch dazu – meist ist es ja nicht nur der Wunsch der Kinder. Auch die Eltern haben sicher in vielen Fällen schon mal den Wunsch gehabt, sich mit einem solchen Copter in die Luft zu erheben. Aber natürlich geht es immer nur um das Kind – höchstens, dass man mal kurz zeigt, wie es wirklich funktioniert, schließlich würde man als Erwachsener doch nicht spielen 🙂

Für viele Eltern stellt sich also nun die Frage:

  • Darf ich mein Kind schon mit Quadrocoptern (umgangssprachlich auch Drohnen) spielen lassen?
  • Und die konsequente Antwort lautet: „Kommt drauf an.

Viele Quadrocopter werden als Spielzeuge verkauft, bei einigen steht jedoch auch explizit „Kein Spielzeug“ oder eine Altersbeschränkung ab 14 Jahren. Der Grund ist sicherlich, dass sich die Hersteller absichern wollen. Denn, was die meisten leider nicht wissen und was auch höchst selten in den Verkaufsgesprächen thematisiert wird (weil es die Verkäufer auch nicht wissen oder eben verkaufen wollen) – es gibt in Deutschland eine ganze Menge rechtliche Anforderungen, bevor man einen Quadrocopter in Luft bringen darf. Falls ihr euch darüber genauer informieren wollte, habe ich nochmal eine recht umfangreiche Zusammenfassung auf der Seite http://testingenieur.net/rechtliche-grundlagen-des-quadrocopters-was-muss-ich-beachten-bevor-ich-mit-einer-drohne-abhebe erstellt.

Eines der Killer-Kriterien: sobald man in Deutschland eine Drohne oder ein anderes Flugmodell im Außenbereich in die Luft bringt, MUSS man eine entsprechende Haftpflichtversicherung dafür abschließen (übrigens schon seit 2005) – die „normale“ Haftpflicht wird das wohl nur in sehr seltenen Fällen abdecken. Und dabei spielt es leider keine Rolle, ob es sich nur um einen sehr kleinen Copter handelt. Und die wenigsten Eltern sind sicherlich bereit, für einen (möglicherweise nur sehr kurzen) Spielspaß ihrer Kleinen eine zusätzliche Versicherung abzuschließen, die mindestens um die 35 Euro, meist sogar deutlich mehr, pro Jahr kostet. Damit ist also der Außenbereich schon mal tabu. Falls doch der Außenbereich sein soll und eine entsprechende Versicherung abgeschlossen wird – unbedingt genau auf die Bedingungen der Versicherung achten – WER ist versichert und ab WELCHEM Alter?

Beachte: Kein Flug im Außenbereich ohne zusätzliche Haftpflichtversicherung!

Und hier bietet sich auch bereits der Ausweg, um die Nutzung (die zugegebenermaßen unheimlichen Spaß macht und ein enormes Sucht-Potenzial hat) doch noch zu ermöglichen: man lässt die Kinder innen fliegen. Wenn man aber nun nicht gerade eine große Sporthalle oder ähnliches sein eigen nennt, gibt es direkt das nächste Problem: den zur Verfügung stehenden Platz.

Nun gibt es natürlich jede Menge sehr kleine Copter aber leider gilt (fast) immer: je kleiner der Quadrocopter, desto unruhiger fliegt er und desto schlechter lässt er sich steuern.

Während die „Großen“ über jede Menge Sensoren und Assistenten verfügen, die ein entspanntes Fliegen ermöglichen, müssen Drohnendie „Kleinen“ ohne diese Assistenzsysteme auskommen. So kommt man also in die Situation, dass die Kinder mit den großen Coptern recht gut zurechtkommen würden, dies jedoch wegen der rechtlichen Einschränkungen nicht dürfen (und natürlich auch ca. 1000 Euro mit dem Risiko eines Absturzes und damit eines möglichen Totalverlustes ein recht teures Spielzeug sind) und die kleinen Drohnen im Allgemeinen recht schwer zu steuern sind.

Deshalb habe ich mich in meinem YouTube-Kanal intensiv mit einer Auswahl an verschiedenen günstigen Coptern (bis ca. 100 Euro) beschäftigt, die man auch im Innenbereich fliegen kann.

Und leider sind – bis auf wenige Ausnahmen – die kleinen Drohnen recht hektisch. Um auch von einem Kind vernünftig geflogen werden zu können, sollte man einige Dinge beachten:

  • möglichst ein Rotorschutz (oder Rotorblätter, die nicht zu Verletzungen führen können)
  • nicht all zu groß, um noch im Innenbereich geflogen werden zu können
  • möglichst stabiles Flugverhalten
  • möglichst leicht, um bei möglichen Kollisionen wenig Schaden anzurichten

Aber trotz aller Sicherheitsvorkehrungen – man sollte die „lieben Kleinen“ beim Spielen nicht unbeaufsichtigt lassen – gerade lange Haare könnten sich beim Spielen auch schnell mal in den Rotoren verfangen.

Bei aller Vorsicht ist jedoch zu sagen: die Beschäftigung mit Multicoptern macht einen irren Spaß und schult enorm die Augen-Hand-Koordination sowie das räumliche Denken.

Eine Auswahl an getesteten Coptern mit Links zu entsprechenden Videos findet sich auf http://testingenieur.net/drohnen-fuer-kinder