„Bio“ ist dieser Tage wortwörtlich in aller Munde. Was früher als flippiger Hippie-Trend verschrien war, hat sich längst als ernstzunehmender Wirtschaftssektor etabliert. „Bio“ erfasst dabei viel mehr als nur die Lebensmittelindustrie, es gibt umweltfreundliche Kleidung, grüne Kosmetik, nachhaltigen Tourismus und ökologische Schulen. Wir zeigen euch die Vorteile eines umweltfreundlichen Familienlebens und Wege, wie ihr Bio und Baby vereinbaren könnt – ganz ohne Millionärs-Status.

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Das eigene Kind mit der Natur in Kontakt zu bringen ist ein essenzieller Teil der Erziehung.

Geschichte und Vorurteile

Während Ende der 1970er schätzungsweise 100 Bio-Läden in Deutschland existierten, sind es heute weit über 3000, mit einem jährlichen Umsatz von 7,55 Milliarden Euro – Tendenz rasant steigend (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft Report 2014). Die gesamte Geschichte von „Bio“ in Deutschland ist auf paradisi.de nachzulesen. Hier wird auch der Wandel im Bio-Bewusstsein über die Jahre nachgezeichnet: Was mit Vollwertkost anfing, entwickelte sich über den Vegetarismus hin zu Naturkost und schließlich zum heutigen Bio-Trend mit nachweislich organisch und nachhaltig hergestellten Lebensmitteln.

Leider sind die Barrieren in den Köpfen der Menschen noch immer hoch und der Trend zur Nachhaltigkeit kommt mit vielen Vorurteilen:

  • Bio ist zu teuer, wenn man eine ganze Familie versorgen muss.
  • Bio ist nur ein Hype, die Ware gleicht am Ende den „normalen“ Produkten.
  • Für Bio-Einkäufe bleibt keine Zeit, wenn man Kinder großziehen muss.
  • Bio ist etwas für Hippies.

Im Folgenden zeigen wir euch einige Bereiche, in denen sich eine nachhaltige Lebenseinstellung wunderbar und vor allem kostengünstig und praktisch mit dem Familienleben vereinbaren lässt.

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Glückliches Familienleben im Grünen.

Organisches Essen von klein auf

Einige Vorteile organischen Essens für Kinder und Erwachsene:

  • Allergische Reaktionen werden vermieden, da das Bio-Siegel keine chemischen Pestizide erlaubt.
  • Kinder lernen von klein auf die Bedeutung nachhaltiger Landwirtschaft und natürlicher Produkte (dafür muss der Nutzen dieser Art Ernährung aber auch besprochen werden!)
  • Bewussteres Essen, dank der Auseinandersetzung mit Inhaltsstoffen, Herkunft und Herstellung der Konsumgüter.

Kostengünstige Bio-Supermärkte

Es gibt mittlerweile Supermärkte, die durch die hohe Nachfrage Bio-Produkte zu ganz „normalen“ Preisen anbieten und in Deutschland weit verbreitet sind. Hier ist vor allem die Marke Alnatura zu nennen, deren Preise sich immer mehr den Preisen für herkömmliche Lebensmittel annähern und die auch beispielsweise in der Bio-Sektion vom Drogeriemarkt DM zu finden ist. Die Firma stellt ein reiches Sortiment an Baby- und Kinderprodukten aus biologisch-nachhaltigem Landbau her. Auch die vorwiegend in Berlin angesiedelte Bio Company verkauft Organisches und Gentechnik-Freies zu kleinen Preisen. Vor allem Gemüsepreise unterscheiden sich bei Bio-Supermärkten kaum mehr von denen ihrer nicht-organischen Verwandten. Aber auch Discounter wie Aldi, Lidl, Netto oder Penny haben immer wieder „Bio-Wochen“. Ein „Ökotest“ bestätigte, dass alle Produkte, die das „Öko-Siegel“ tragen – unabhängig vom Preis – auch „Bio“ drin haben. Eine genaue Einsicht in die Ergebnisse gibt die Greenpeace-Bewegung auf ihrer Homepage. Studien bestätigen ebenfalls einstimmig, dass organische Produkte bis zu hundertmal weniger Pestizidrückstände und dafür mehr Anti-Oxidantien aufweisen (Quelle).

Foodsharing

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Die Foodsharing-Website mit dem Prinzip: Geben, Nehmen, Teilen.

Wer nicht den geeigneten Geldbeutelinhalt für Bio-Großeinkäufe für die ganze Familie hat, dem bietet sich mit der Foodsharing-Initiative eine wunderbare Möglichkeit, an organisches Essen zu kommen. Das Besondere: Alles ist kostenlos. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, um der vor allem in der westlichen Welt omnipräsenten Essensverschwendung entgegenzuwirken. Wer in den Urlaub fährt oder sich beim Einkauf verschätzt, der stellt seinen „Essenskorb“ online und bietet ihn Interessierten an. Den Korb kann dann jeder per Nachricht für sich reservieren und abholen. Auch Essensreste großer Bio-Läden und von privaten Händlern werden hier angeboten. 221 Städte nehmen deutschlandweit an der Bewegung teil.

Umweltfreundliche Kleidung für die Kleinen

Die Berliner Fashion Week Ende 2013 machte klar, dass das Öko-Bewusstsein auch in der Mode angekommen ist. Während die noch immer sehr kostspielige Kleidung mit „Bio“-Siegel für die Familienkasse aber oft schlicht nicht machbar ist, hat sich Second Hand als bewährte Alternative herausgestellt. Die Vorzüge von Second Hand haben wir ausführlich in unserem Artikel zu den Vor- und Nachteilen von Second Hand Kleidung behandelt: Die Ware aus zweiter Hand ist nicht nur eine kostengünstige und umweltfreundliche Alternative zu Neuware, sondern enthält auch weniger chemische Schadstoffe.

Der kleine Biogarten für die Kids

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Nicht nur mit den Füßen sollte man den Bodenkontakt bewahren.

Wer genügend Platz hat, sollte sich ein Bio-Beet im eigenen Garten oder auf dem Balkon anlegen – und sich damit den Gang zur Gemüsesektion des Bio-Supermarktes ganz sparen. Erfreulicher „Nebeneffekt“: Kinder lieben Gartenarbeit.

Vorteile:

  • Kinder erfahren früh den direkten Kontakt zur Natur.
  • Kinder lernen spielerisch den Kreislauf des Lebens kennen und wie Lebensmittel auf natürliche Weise hergestellt werden.
  • Den Kleinen wird beigebracht Verantwortung zu übernehmen.
  • Gartenarbeit in der Familie ist eine Tätigkeit, die zusammenschweißt. Das meditative Anbauen von Gemüse, Obst, Kräutern und vielem mehr beruhigt die Kinder und Eltern und schafft eine ganz neue Kommunikationsebene.

Nachhaltiger Urlaub: Bio-Bauernhöfe und Eco-Tourism

Dass große, bekannte Reiseanbieter nicht gerade auf Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit setzen, dürfte den meisten klar sein. Dass es aber auch eine Alternative gibt, nicht. Bio-Bauernhöfe für die ganze Familie sind nicht nur umweltfreundlich, sondern gleichen einem Abenteuerurlaub. Viele Höfe bieten Reiten, Tierversorgung, Gartenarbeit, Wanderausflüge oder organische Kinder-Workshops an und sorgen dafür, dass die ganze Familie immer bei Laune ist und sich austoben kann – ohne dabei der Natur zu schaden. Die Seite www.bio-natur-urlaub.de gibt eine Übersicht über Öko-Urlaubsmöglichkeiten europaweit, von Herbergen und Hotels bis hin zu Wellness und Yoga-Retreats. Auf der Website www.ecotourismus.de gibt es zusätzlich Informationen zu umweltschonenden Erlebnistrips wie Safaris, Bergwanderungen, Klettern oder Canyoning.

Ab in die Öko-Schule?

Waldorf- und Montessori-Schulen folgen schon lange dem Prinzip, möglichst im Einklang mit der Umwelt und der Natur des Kindes zu lehren, nicht allen Eltern ist diese freie und kreative Lehre allerdings recht. Doch es gibt auch immer mehr Gymnasien, die auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz setzen. Mit der „Öko-Auszeichnung“ werden die Schulen geehrt, die den Kindern neben dem Lehrstoff auch wichtige Grundlagen des Umweltschutzes und der Ressourcenschonung mit auf den Weg geben. Mehr als 750 Umweltschulen in Deutschland verfolgen das Ziel des Umweltbewusstseins. Mehr Informationen und eine aktuelle Teilnehmerliste gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung.

Fazit
Bio ist problemlos in den Alltag mit Kindern integrierbar und muss weder an der Geldbörse noch an Zeitmangel scheitern. Mit einem Minimum an Recherche können Wege und Mittel gefunden werden, die eigenen Werte an die Familie weiterzugeben und sie für eine umweltbewusste und nachhaltige Lebensweise zu begeistern.

 

 

Bilder: Bildegentur.panthermedia.net/kho/jannoon028/luckybusiness und Screenshot der Website Foodsharing.de